Umweltbelastungen als unterschätzte Gesundheitsgefahr?

Dr. Kurt Müller warnt vor den langfristigen Folgen von Chemikalien, Mikroplastik und Veränderungen des Immunsystems – und fordert einen grundlegenden Wandel in der Medizin.

Konferenz „Klinische Umweltmedizin – was uns heute besonders beschäftigt“ am 26. September im Hotel Parc Belle-Vue in Luxemburg-Stadt.

Dr. Kurt Müller warnt vor den langfristigen Folgen von Chemikalien, Mikroplastik und Veränderungen des Immunsystems – und fordert einen grundlegenden Wandel in der Medizin.

Was haben Umweltgifte, Mikroplastik, chronische Erkrankungen und die Entwicklung des Immunsystems miteinander zu tun? Um diese Frage drehte sich ein großer Teil der Konferenz „Klinische Umweltmedizin – was uns heute besonders beschäftigt“, die von AKUT asbl mit Unterstützung von SCENTE asbl organisiert wurde und am 26. September im Hotel Parc Belle-Vue in Luxemburg stattfand.

Seine zentrale Botschaft: Krankheiten müssten stärker im Zusammenhang mit den Umweltbedingungen betrachtet werden, unter denen Menschen leben.

Ein wiederkehrendes Motiv des Vortrags war die Diskrepanz zwischen wissenschaftlichen Erkenntnissen und deren Umsetzung. Nach Ansicht des Referenten werde häufig nicht das wissenschaftlich Notwendige umgesetzt, sondern das kurzfristig Machbare. Wirtschaftliche Interessen spielten dabei aus seiner Sicht eine wichtige Rolle.

Als Beispiele nannte er unter anderem den Umgang mit Amalgam, bestimmten Chemikalien und elektromagnetischen Feldern. Er verwies auf eigene wissenschaftliche Veröffentlichungen und Forschungsarbeiten und argumentierte, dass manche von ihm bereits früher vertretenen Positionen inzwischen durch neuere Forschung gestützt würden.

Frühe Prägung des Menschen

Ein Schwerpunkt des Vortrags war die Epigenetik. Nach Darstellung von Dr. Kurt Müller entscheidet nicht allein das Erbgut über die spätere Gesundheit. Auch Umweltbedingungen könnten beeinflussen, wie Gene im Laufe des Lebens aktiviert oder reguliert werden. Besonders empfindlich sei die Phase rund um Schwangerschaft und frühe Kindheit.

Er verwies auf Studien zu Umweltchemikalien und deren möglichen Auswirkungen auf Fortpflanzung, Entwicklung und hormonelle Regulation. In diesem Zusammenhang sprach er auch über einen beobachteten Rückgang der männlichen Fruchtbarkeit und über steigende Anforderungen an die künstliche Befruchtung.

Glyphosat, Darm und Mikroplastik

Ausführlich beschäftigte sich Dr. Kurt Müller außerdem mit Glyphosat. Er stellte Auswirkungen auf Mineralstoffhaushalt, Darmflora und Stoffwechsel vor und verband Veränderungen des Mikrobioms mit verschiedenen chronischen Beschwerden.

Ähnlich kritisch bewertete er die zunehmende Belastung durch Mikro- und Nanoplastik. Besonders Nanopartikel könnten nach seiner Darstellung biologische Barrieren überwinden und in Zellen gelangen. Die Lunge und bestimmte Immunzellen seien dabei besonders empfindlich.

Immunsystem im Fokus

Ein weiterer Schwerpunkt war die Entwicklung des Immunsystems. Dr. Kurt Müller berichtete von eigenen Untersuchungen und sprach von möglichen Veränderungen des Immungleichgewichts. Auch die Folgen von COVID-19 und Impfungen nahm er in den Blick. Dabei stellte er mögliche biologische Mechanismen vor, die seiner Ansicht nach mit länger anhaltenden Beschwerden nach einer Infektion zusammenhängen könnten.

Seine Ausführungen verband er schließlich mit einem größeren gesellschaftlichen Problem: der Zunahme chronischer Erkrankungen und den damit verbundenen Belastungen für das Gesundheits- und Pflegesystem. Genannt wurden unter anderem Autoimmunerkrankungen, Depressionen und zunehmende Pflegebedürftigkeit.

Plädoyer für mehr Prävention

Zum Abschluss forderte Dr. Kurt Müller einen Perspektivwechsel in der Medizin. Nicht allein einzelne Symptome oder Erkrankungen sollten behandelt werden. Entscheidend sei vielmehr, die gesamte Lebensgeschichte eines Menschen zu berücksichtigen – von der vorgeburtlichen Entwicklung über Ernährung und Umweltbelastungen bis hin zu späteren Erkrankungen.

Sein Plädoyer: Gesundheitspolitik und Medizin müssten stärker bei den Ursachen ansetzen und Prävention früher beginnen. Gerade Schwangere, Kinder und Menschen mit dauerhafter Umweltbelastung müssten stärker in den Blick genommen werden.

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