Mercredi Juin 21 , 2017
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Chimiques

Sind umweltfreundliche Farben unproblematisch?

In den letzten Jahren haben sich die sogenannten umweltfreundlichen oder “biologischen” Farben und Lasuren zunehmend gegen die klassischen Lösemittel-haltigen Farben,  Lasuren oder Lacke durchgesetzt.

Zu den umweltfreundlichen oder biologischen Produkten gehören in erster Linie Dispersionsfarben und –lacke, sowie Naturfarben und –lasuren. Bei diesen Produkten werden die klassischen leichtflüchtigen organischen Lösemittel oder VOC (volatile organic compounds) entweder durch das Lösemittel Wasser – bei wasserlöslichen Dispersionsfarben - oder aber durch natürliche Öle, den sogenannten Terpenen ersetzt.

Allerdings sind diese Produkte nicht unproblematisch und können mitunter zu einer monatelangen oder gar Jahre andauernden Belastung der Raumluft beitragen.

Dispersionsfarben

Als Lösemittel wird bei diesen Produkten Wasser eingesetzt. Da jedoch Wasser nicht die gleichen technischen Eigenschaften besitzt wie die klassischen VOC, werden zusätzliche Additive beigemengt, um dieses Manko auszugleichen, so zum Beispiel Verdunstungshemmer, Bindemittel, Emulgatoren oder Entschäumer. Da Wasser zusätzlich Schimmelpilzwachstum begünstigt werden außerdem Fungizide und Topfkonservierer (Isothiazolinone) eingesetzt. Häufig sind diese Zusatzstoffe giftiger als die ursprünglich verbannten VOC. Außerdem dürfen diese Farben immerhin noch bis zu 16 Prozent an aliphatischen VOC enthalten. Die als Verdunstungshemmer eingesetzten Glykolether sind weniger leichtflüchtig als die klassischen Lösemittel, so daß sie nur allmählich aus der gestrichenen Farbe ausgasen und in die Raumluft übergehen. Dadurch kommt es bei Dispersionsfarben entsteht im Gegensatz zu den ursprünglichen VOC, die nach zwei Wochen praktisch vollständig aus der Fabre diffundiert sind, zu einer monatelangen oder gar jahrelangen Belastung der Raumluft durch Glykolether welche im Vergleich zu Lösemitteln wie Toluol oder Testbenzin zudem noch weitaus toxischer sind.

Naturfarben und –lasuren

Naturfarben fallen meist durch ihren angenehmen Duft nach Zitronen (Limonen), Kiefernholz (?- & ?-Pinen) oder anderen Pflanzenessenzen (?-3-Caren) auf. Verantwortlich für diese Aromen sind so genannte Terpene die in Naturfarben oder –lasuren als Lösemittel enhalten sind. Leider sind diese Terpene auch wenn sie angenehm riechen nicht unbedenklich und können durchaus allergieserende Wirkungen entfalten. Limonen steht sogar im Verdacht auf krebserregende Wirkung.

Als Beispiel sei an dieser Stelle der Fall eines deutschen Kindergartens aus dem Jahre 1996 erwähnt,  in dem ein Jahr nach einer Renovierung inklusive Anstrich mit “Biofarben” die Kindergärtnerinnen und die Kinder sich über Reizungen der Nase , der Augen und der Haut beschwerten. Messungen durch die Materialprüfanstalt der Universität Stuttgart ergaben deutlich erhöhte Raumluftbelastungen durch Terpene, insbesondere durch Limonen(48 µg/m³) und alpha-Pinen (36 µg/m³). Erst nach einer umständlichen Sanierung konnten die Klassenräume wieder beschwerdefrei genutzt werden.

Eine weitere Studie der Materialprüfanstalt der Uni Stuttgart verglich die Raumluftkonzentrationen an Terpenen in konventionell gebauten (K1-K5) und alternativ gebauten  Gebäuden (A1-A5) im Jahre 1996.

Dabei waren die alternative gebauten und demnach mit Naturfarben gestrichenen Gebäude weitaus starker mit Terpenen belastet als die konventionell gebauten.

In sämtlichen fünf untersuchten alternativen Gebäuden war allein schon aufgrund der Terpene, der Richtwert für alle VOC zusammen (300 µg/m³) überschritten, während vier der konventionell gebauten Gebäuden deutlich unterhalb diesem Richtwert lagen.

Ein weiteres Problem bei manchen Naturfarben sind die verschiedenen Aldehyde, allen voran das Formaldehyd, das Hexanal, das Propanal oder das Nonanal . diese Schleimhaut- und Augen-reizenden Stoffe sind zwar in dem Farbprodukt nicht enthalten , entstehen jedoch infolge einer Reaktion der in den Farben enthaltenen pflanzlichen Fettsäuren mit dem Sauerstoff der Raumluft, wodurch die Aldehyde entstehen. Dieser Oxydationsprozess kann über Monate und Jahre andauern wie die Messungen nach einer Renovierung durch die Arbeitsgemeinschaft ökologischer Forschung  (AGÖF – Köhler 200) verdeutlichen. Erst fünf Jahre nach der Renovierung fielen die Messwerte unter  den Richtwert für VOC von 300 µg/m³.

Mineralfarben

Reine Mineralfarben, das heißt ohne organische Zusätze, sind im Prinzip unproblematisch, das heißt sie geben keine Schadstoffe an die Raumluft ab. Zudem sind sie unempfindlich gegenüber Schimmelpilzen, da diese organisches Substrat als Nahrung benötigen.  Schließlich sind sie offenporig und wasserdampfdurchlässig und somit atmungsaktiv und können auf diese Art und Weise zu einem gesunden Raumklima beitragen. Zu den Mineralfarben gehören beispielsweise Silikatfarben (nicht auf Gipsputz), Lehmfarben oder Kalkfarben. Nachteil dies Farben: der Untergrund muss offenporig sein und die Farbe aufnehmen können, PVC-Tapeten oder Glasfasertapeten können demnach nicht mit Mineralfarben überstrichen warden. Auch zum Überstreichen eines alten filmbildenden Anstrichs bei einer Renovierung eignen sich die Mineralfarbe nnicht. Auf keinen Fall sollte ein Voranstrich durch eine Grundierung erfolgen, da dieser die positiven Eigenschaften des Mineralanstriches zunichte macht.

Fazit

Die richtige Wahl der Farbe hängt letztendlich von der Raumnutzung, dem zu streichenden Untergrund sowie dem Anspruch an den Anstrich ab und sollte demnach im Einzelfall entschieden werden. Pauschal  muss vor einem allzu sorglosen Einsatz mit Naturfarben oder –lasuren abgeraten werden. Dispersionsfarben stellen aufgrund der Glykolether keine biologische Alternative dar.

Und schließlich stinken klassische lösemittelhaltige Farben und Lacke zwar anfangs , das heißt unmittelbar nach dem Anstrich sehr stark und geben dementsprechend hohe Schadstoffkonzentrationen an die Raumluft ab. Allerdings sind die VOC demnach auch schnell verflogen, so dass nach zwei bis drei Wochen praktisch keine Raumluftbelastung mehr durch diese Farben festgestellt werden kann. Somit stellen auch diese konventionellen Farben eine Alternative dar, zumindest bei einem Neubau, den die Bewohner erst zu einem späteren Zeitpunkt, das heißt einige Wochen nach dem Anstrich beziehen

 

Ralph Baden

(Diplombiologe, Baubiologe).

2008

 

Permethrin im Holzlack

Daß der erste Schritt in der Umweltmedizin der Expositionsstopp, das heißt die möglichst vollständige Vermeidung jeglicher Schadstoffe umfasst (Expositionsstopp) verdeutlicht folgendes Fallbeispiel:

Seit dem Herbst 2005 beklagte sich eine Frau, Mitte Vierziger über gesundheitliche Beschwerden, nachdem sie, teilweise zusammen mit ihrem Mann, diverse Holzmöbel mit einem Holzlack gestrichen hatte. Die Beschwerden begannen unmittelbar im Anschluss an diese Malerarbeiten.  Die beschriebenen Symptome waren ständige Übelkeit und Erbrechen, Kribbeln der Arme und Beine sowie abwechselnde Hitze- und Kältegefühl und hielten über Monate an.

Da der Beginn der Beschwerden mit dem Zeitpunkt des Einsatzes des Holzlackes korrelierte, fiel der Verdacht natürlich auf den Holzlack, zumal die beschriebenen Symptome einer chronischen Belastung durch Holzschutzmittel entsprachen. Insbesondere das Kribbeln der Gliedmaßen (“Ameisen in den Händen und Füssen”) wird in der Literatur im Zusammenhang mit Permethrin, einem Holzschutzmittel der Familie der Pyrethroide beschrieben. Um die Belastung der Raumluft festzustellen, wurden Staubproben in den Wohn- und Schlafräumen genommen und anschließend chemische Analysen im Labor durchgeführt. Andererseits wurde über den Hersteller des Holzlackes ein EU-Sicherheitsdatenblatt vom betreffenden Produkt angefordert, in welchem, mit Ausnahme der Flammschutzmittel auf Phosphorsäureesterbasis, sämtliche im  Produkt enthaltene Wirkstoffe aufgelistet sein müssen.

Laut Sicherheitsdatenblatt und technischem Merkblatt vom April 2005 waren in dem betreffenden Holzlack die Wirkstoffe Cypermethrin, Propiconazol und Tebuconazol sowie IPBC (ein Carbamat) enthalten um eine Wirkung als Insektizid (gegen Insekten), Fungizid (gegen Schimmelpilz) und Termitenmittel (gegen Termiten) zu erreichen.

Die Staubanalysen sowie die anschließend durchgeführten Analysen des Holzlackes (Restbestand der Farbe) und des mit Holzlack gestrichenen Schrankes ergaben jedoch ein anderes Bild: anstelle des Cypermethrins beinhaltete das Produkt Permethrin; während das Produkt, wie auf dem Sicherheitsdatenblatt angegeben, Propiconazol enthielt, wurden in den Produktproben kein Tebuconazol gefunden. Außerdem enthielt der Holzlack zusätzlich ein Flammschutzmittel der Familie der Phosphorsäureester (TBEP), welches auf dem Sicherheitsdatenblatt nicht vermerkt werden muss. TBEP wird in Pflegeprodukten häufig als Weichmacher, als “Glänzer” oder als rutschhemmendes Mittel eingesetzt. Phosphorsäureester sind als Atemwegs- und Nervengifte bekannt. Typische Symptome sind Augenbrennen, Hals- und Schleimhautbeschwerden oder Hautausschläge sowie Müdigkeit, Antriebslosigkeit und erhöhte Infektanfälligkeit.

Als Sanierungsmaßnahme wurde demzufolge empfohlen, sämtliche mit Holzlack behandelte Möbel und Gegenstände unverzüglich zu entfernen. Aufgrund der relativ rezenten Applikation konnten Sekundarkontaminationen der übrigen offenporigen Möbel und Einrichtungsgegenstände ausgeschlossen werden.

Nichtsdestotrotz entschieden sich die Bewohner die Wohnung zu wechseln und umzuziehen. Da die neue Wohnung jedoch noch nicht bezugsfertig war, zog das Ehepaar vorübergehend ins Elternhaus der Frau. Während dieser Zeit besserten sich die Beschwerden kontinuierlich, nach einigen Wochen war die Frau weitgehend beschwerdefrei.

Nachdem das Ehepaar dann die neue Wohnung bezogen hatte stellten sich die gleichen Symptome wieder ein, allerdings vornehmlich nachts und morgens früh. Daraufhin wurde die Schaumstoffmatratze (die auch schon in der ersten Wohnung benutzt wurde) anhand einer Materialprobe analysiert.

Diesen Ergebnissen zufolge war die Matratze ebenfalls mit dem fettlöslichen Permethrin ausgerüstet, so dass die Frau jede Nacht über die Atmung aber auch über den direkten Hautkontakt dem Atemwegs- und Nervengift Permethrin ausgesetzt war. Nach dem Auswechseln der Bettmatratze (die Frau griff auf die Matratze des Elternhauses zurück) stabilisierte sich der Zustand und die Beschwerden ließen zum großen Teil nach.

Der vorliegende Fall verdeutlicht die Wichtigkeit des absoluten Expositionsstopps. Erst im Anschluss daran kann eine umweltmedizinische Betreuung sinnvoll und erfolgreich sein, ein Rückfall ausgeschlossen werden.

 

Ralph Baden

(Diplombiologe, Baubiologe)

2008

 

Linoleumfußböden, ein wohngesunder Bodenbelag ?

In großen Zügen mag das auch stimmen, allerdings beinhaltet Linoleum auch einige baubiologische Nachteile die sich durchaus als gesundheitliche Beeinträchtigung zumindest bei sensiblen Bewohnern herausstellen können.

Linoleum wurde Mitte des 19. Jahrhunderts als Bodenbelag entwickelt. Der Name setzt sich aus den lateinischen Bezeichnungen für Leinöl (linum und oleum) zusammen, das die Hauptkomponente des Linoleums ist.

Hauptbestandteile des Linoleums sind Leinöl (aus den Samen der Flachspflanze), Naturharze (meist aus Fichten), Holzmehl und Kork, Titandioxid und Farbstoffen. Das Leinöl wird unter dem Einfluss von Sauerstoff oxidativ polymerisiert. Die so gewonnene Paste wird auf einen Jutefaser-Rücken aufgewalzt und anschließend bei 70-80 Grad getrocknet.

Positive Eigenschaften

Linoleum hat gute schallhemmende und wärmeisolierende (fußwarm) Eigenschaften. Außerdem ist es mechanisch beanspruchbar (z.B. Stuhlrollen von Bürostühlen), verschleiß- und rutschfest. Linoleum ist ebenfalls sehr widerstandsfähig gegen über Fetten, Ölen und Teer. Linoleum ist von sich aus schwer entflammbar, so dass auf die Beigabe von brandhemmenden Mitteln verzichtet werden kann. Bodenbeläge aus Linoleum sind von Natur aus leicht fungizid und bakterizid, so dass Bakterien oder Schimmelpilze nicht so schnell auf Linoleumbelägen wachsen.

Schließlich sind Linoleumböden in der Regel auch preisgünstig.

Zu den baubiologischen Vorteilen zählen einerseits die antistatischen Eigenschaften (keine elektrostatische Aufladung) und andererseits das Fehlen von Schadstoff-haltigen Ausgangsstoffen, so dass im Prinzip kein Risiko einer Raumluftbelastung besteht. Allerdings zählen diese Eigenschaften nicht für alle Linoleumböden, da viele Linoleumbeläge mit einer  Oberflächenversiegelung ausgerüstet sind.

Negative Eigenschaften

Frisch verlegter Linoleumboden entwickelt häufig zumindest vorübergehend einen relativ starken Eigengeruch, der von sensiblen Bewohnern als Geruchsbelästigung empfunden wird. Ursache dieses Geruchs sind meist verkürzte Lagerzeiten, weil der Trocknungsprozess den Herstellern zu langwierig und kostspielig ist. Dabei emittieren aus den Linoleumbelägen geringe Mengen an Aldehyden (Acrolein, Hexanal,…), die
einerseits einen sehr intensiven Geruch bilden (typischer Linoleumgeruch) und andererseits ähnlich dem Formaldehyd Schleimhautreizungen und Allergien verursachen können. Auch die eingesetzten Naturharze (Kolophonium) können bei empfindlichen Personen allergische Symptome auslösen.

Aus diesem Grund werden die Linoleumböden häufig mit einer Oberflächenbeschichtung ausgerüstet , die die Poren schließt und so eine Ausdünstung von Geruchsstoffen unterbindet. Die baubiologischen Eigenschaften wie beispielsweise das antistatische Verhalten werden

zerstört, der Bodenbelag kann sich elektrostatisch aufladen. Außerdem enthalten die Oberflächenbeschichtungen chemische
Schadstoffe, die sie an die Raumluft abgeben können. Als Oberflächenbeschichtungen werden Polyacrylate und Polyurethane (Schleimhaut-reizende Isocyanate) eingesetzt. Häufig werden auch Flammschutzmittel auf Phosphorsäurester-Basis, vornehmlich TBEP beigefügt um eine glänzende Oberfläche zu erhalten. Diese Flammschutzmittel sind toxikologisch äußerst bedenklich und
belasten die Raum- und somit die Atemluft nachweislich.

Demzufolge sollten auf Oberflächenbeschichtungen bei Linoleumböden verzichtet werden. Außerdem sollte ein Belagmuster des
ausgesuchten Linoleumbodens durch Laboranalysen auf Flammschutzmittel, insbesondere TBEP und auf Formaldehyd hin überprüft
werden.

Problematisch erweisen sich ebenfalls Fertigböden aus Linoleum. Dabei handelt es sich um auf Hartfaserplatten aus Holz geklebte Linoleumbeläge. Aufgrund der verwendeten Kleber  können solche Linoleum-Fertigböden einen erhöhten Gehalt an Formaldehyd
aufweisen und so zu einer Raumluftbelastung durch Formaldehyd beitragen.

Auch die Kleber mit denen der Linoleumboden an den Fußboden verklebt wird können zu Raumluftbelastungen beitragen.

Fazit

Linoleumböden bilden demnach eine preisgünstige Variante mit einer sehr großen Vielfalt an Farben, Mustern und Strukturen. Zumindest für empfindliche Personen können Linoleumbeläge jedoch aufgrund des typischen Geruches sowie der über lange Zeit währenden Ausdünstungen von Schadstoffen äußerst problematisch sein. Aus diesem Grund ist Linoleum aus baubiologischer Sicht nur
beschränkt zu empfehlen. Vorsicht ist ebenfalls in Bezug auf eventuelle Zusatzchemikalien in Beschichtungen, tragende Unterschichten oder Kleber geboten.

Ralph Baden,  Diplombiologe, Baubiologe

2007

 

Insektensprays und Elektroverdampfer  gegen Stechmücken und Ungeziefer  keineswegs unbedenklich für den Menschen!

Mit der warmen Jahreszeit steigt auch wieder die Plage von Stechmücken, Ameisen  und zahlreichen anderen blutsaugenden, stechenden oder einfach nur lästigen Insekten. Demnach steigt dann auch wieder der Einsatz von Insektenmitteln in Form von Sprays, Elektroverdampfern oder anderen Vernebelungsaktionen. Eingesetzt werden in erster Linie Pyrethroide wie Pyrethrum, Permethrin, Allethrin, Cyfluthrin oder Cypermethrin. Außerdem enthalten solche Produkte auch häufig die Substanz Chlorpyrifos. Als Wirkungsverstärker wird zudem häufig ein weiteres Gift zugesetzt, das Piperonylbutoxid.

Pyrethroide, natürliche Wirkstoffe ?

Den Herstellern zufolge handelt es sich bei den Pyrethroiden um natürliche Insektengifte, die nach wenigen Stunden oder Tagen abgebaut werden und somit keine Gefahr für Mensch und Haustier darstellen. So wird der Wirkstoff Pyrethrum sowie die anderen Pyrethroide in den Gebrauchsanweisungen als allgemein rasch zersetzlich beschrieben. Auch nach Anwendung von Chlorpyrifos wird davon ausgegangen, dass die Räume bereits nach wenigen Tagen nur noch geringe Belastungen aufweisen. In Wirklichkeit handelt es sich lediglich bei dem Wirkstoff Pyrethrum um ein natürliches Gift, das in den Chrysanthemenblüten vorhanden ist. Unter dem Einfluss von ultravioletten Strahlen des Sonnenlichts zersetzt sich das Pyrethrum relativ schnell (innerhalb von mehreren  Tagen). Allerdings stimmt dies nicht mehr in Innenräumen, da hier die ultravioletten Strahlen der Sonne nicht hineinreichen, so dass mit wesentlich längeren Abbauzeiten (mehrere Monate) zu rechnen ist. Die übrigen Pyrethroide Permethrin, Allethrin, Cyfluthrin oder Cypermethrin sind zwar dem natürlichen Pyrethrum nachempfunden werden jedoch allesamt technisch, das heißt chemisch hergestellt. Dabei werden sie chemisch verändert um eine Langzeitwirkung zu erzielen, die Substanzen werden  persistent und können demnach nicht mehr im menschlichen Organismus abgebaut werden. Da sie außerdem fettlöslich sind, werden sie im Fettgewebe des Körpers angereichert und tragen somit zu einer chronischen Vergiftung bei. Auch in der Raumluft werden diese Schadstoffe nicht abgebaut.

In der Praxis belegen Studien, dass Pyrethrum noch nach Monaten, Chlorpyrifos oder synthetische Pyrethroide wie Permethrin und Allethrin noch nach Jahren in Wohnungen nachweisbar sind. Auch der Wirkungsverstärker Piperonylbutoxid trägt zu einer jahrelangen Belastung der Raumluft bei.

 

Gesundheitliche Auswirkungen von Pyrethrum, Pyrethroiden, Chlorpyrifos und Piperonylbutoxid

Chlorpyrifos ist ein Insektizid, mit Berührungs-, Fraß- und Atemwirkung. Demnach wird es vor allem in Insektensprays und in Köderdosen verwendet. Chlorpyrifos gehört zur Gruppe der Phophorsäureester und wirkt als Nervengift (Cholinesterasehemmer). Aufgrund seiner Giftigkeit für Warmblütler ist von einem Einsatz von Chlorpyrifos im Innenbereich abzuraten.

Pyrethrum, Permethrin, Allethrin, Cyfluthrin oder Cypermethrin gehören zur Gruppe der Pyrethroide. Dabei handelt es sich um eine Gruppe von chemischen Verbindungen die dem natürlichen Insektizid Pyrethrum ähneln, das aus

Chrysanthemen gewonnen wird. Bei den Pyrethroiden handelt es sich jedoch um synthetische Substanzen, die wesentlich stabiler und langlebiger als das natürliche Pyrethrum sind.

Eine chronische Belastung durch Pyrethroide kann das Nervensystem schädigen. Symptome sind Juckreiz, Kribbeln der Gliedmaßen, Taubheitsgefühl, Kopfschmerzen, Schwindel, Übelkeit, Abgeschlagenheit, depressive Zustände oder eine Überempfindlichkeit der Atemwege. Außerdem kann der Hautkontakt mit Pyrethroiden zu allergischen Reaktionen führen

Piperonylbutoxid wird als Wirkungsverstärker für Pyrethroide wie zum Beispiel Permethrin eingesetzt. Es handelt sich um eine Substanz, die allein zwar keinen bioziden  Effekt hat, die insektenabtötende und somit giftige Wirkung der Pyrethroide jedoch noch weiter verstärkt.

Fazit

Demnach ergeben sich durch den Einsatz von handelsüblichen Präparaten zur Bekämpfung von Insekten, wie sie vielerorts im Sommer eingesetzt werden entgegen der allgemeinen Auffassung, dass die Innenräume nach wenigen Tagen oder Wochen wieder schadstofffrei sind, eine Belastung der Raumluft die über viele Monate bis Jahre hinweg andauern kann. Gefährdet sind insbesondere Kleinkinder, da diese kontaminierte Gegenstände und Spielzeuge in den Mund nehmen. Aber auch Erwachsene atmen die giftigen Wirkstoffe ein und reichern sie im Organismus an, da die Wirkstoffe in der Regel fettlöslich und nicht abbaubar sind. Werden die Schädlingsbekämpfungsmaßnahmen jährlich wiederholt, so entsteht eine Innenraumbelastung die sich praktisch nicht von einer Belastung durch Motten-behandelte Teppiche oder Insekten-behandelte Holzbalken unterscheidet.

Alternativen

Als Alternativen eignen sich einerseits so genannte „Repellents“, das heißt Wirkstoffe die aufgrund ihres Geruchs Insekten abweisen, wie beispielsweise ätherische Öle (Eucalyptusöl, Citronellöl, Lavendelöl, Nelkenöl,...).  Leider sind diese Mittel nicht ganz so wirkungsvoll wie die insektiziden (Insekten tötende) Substanzen.

Eine andere sehr wirkungsvolle Methode sind mechanische Insektengitter, die in den Fenster- oder Türrahmen befestigt werden und so auf völlig ungiftige Weise das Eindringen von Insekten verhindern.

Ultraschall-Geräte verwenden einen für den Menschen nicht hörbaren Ton (Ultraschall), der die Insekten abstößt, so dass sie nicht in den Raum hineinfliegen.

Köderfallen oder Klebefallen enthalten Lockduftstoffe und Sexuallockstoffe, sogenannte Pheromone und locken so die Insekten in eine Leimfalle in der sie dann festkleben.

Ultraviolett-Lichtfallen ziehen die Insekten durch das UV-Licht an (vor allem nachts) und versetzen ihnen einen tödlichen Stromstoß.

Demnach existieren diverse, für den Menschen harmlose Abwehrmethoden, die vielleicht im Einzelnen nicht so wirkungsvoll wie die giftigen chemischen Wirkstoffe sind, kombiniert jedoch einen durchaus vorweisbaren Effekt erzielen. Es muss demnach nicht die chemische Keule sein, die zwar die Insekten effektiv vernichtet, jedoch zu einer langfristigen Belastung der Raumluft und somit des Menschen im Raum bewirkt.

Ralph Baden
Diplombiologe, Baubiologe

2006

 

 

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