Mercredi Juin 21 , 2017
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Flammschutzmittel

Gefährliche Chemikalien im Wohn- und Schlafbereich

 

Im März 1995 beging eine japanische Sekte ein Giftgas-Attentat auf die U-Bahn von Tokio. Zwölf Fahrgäste sterben, mehr als 5000 erlitten Atemwegsvergiftungen. Das Giftgas war das gleiche mit dem der irakische Diktator Saddam Hussein Anfang der neunziger Hunderttausende Kurden vergiften ließ: Sarin

 

Sarin wurde bereits im Jahre 1938 als Schädlingsvernichtungsmittel entdeckt. Aufgrund seiner Giftigkeit, das Gift lähmt die Nervenzellen und führt innerhalb von 15 Minuten zum Tod durch Lähmung der Atmung, wurde Sarin ebenso wie ein verwandtes Nervengift Tabun als Kampfgas hergestellt und verwendet. Bereits 1 Milligramm, also ein Tausendstel Gramm ist für den Menschen tödlich.

Chemisch gesehen ist Sarin ein chloriertes Phophorsäureester und gehört somit zur selben chemischen Familie wie die Flammschutzmittel, die im Wohnbereich eingesetzt werden.

 

Flammschutzmittel im Hausgebrauch

 

Flammschutzmittel auf Phosphorsäureesterbasis werden vor allem als Weichmacher mit flammhemmenden Eigenschaften eingesetzt. In diesem Zusammenhang ist vor allem der Brandschutz in öffentlichen Gebäuden beziehungsweise in Büros problematisch. Vorkommen im Haushaltsbereich sind vor allem Polyurethan-haltige Schaumstoffe (PU) in Polstermöbeln, in PU-Isolier- oder Ortsschäumen und in Teppichrücken. Auch in Farben und Lacken (vor allem in Holzlacken und Lasuren oder Kunststoffdispersionen), in Putzmitteln und in Vorhängen können Trialkylphosphate vorhanden sein.

Neuerdings werden sie vermehrt auch als Versiegelungen von Holzböden eingesetzt, sogenannten PU-Versiegelungen. Weitere Quellen sind PU-Wärmedämmplatten oder Sesselüberzüge aus Leder-ähnlichen PUR-Stoffen. Auch die Kunststoffgehäuse von Fernsehgeräten und PC-Gehäuse enthalten häufig Flammschutzmittel, die durch die Hitzeentwicklung bei Betrieb vermehrt ausgasen.

Sehr problematisch sind auch die Matratzen unter anderem von Kinderbettchen. Hier ist die Belastung durch einerseits die unmittelbare Nähe zu den Atemorganen (man liegt sozusagen mit der Nase direkt in der Matratze) sowie andererseits durch die Dauer der Exposition (Erwachsene durchschnittlich 8 Stunden pro Nacht, Säuglinge bis zu 22 Stunden jeden Tag) extrem. In diesem Zusammenhang bleibt zu klären, ob PUR-Matratzen nicht eine Rolle beim plötzlichen Kindstod spielen könnten (schließlich handelt es sich bei Flammschutzmitteln um ein Nerven- und Atemwegsgift)

 

Gesundheitliche Auswirkungen von Flammschutzmitteln auf Phosphorsäureesterbasis

 

Polyurethan-haltige Materialien gehören in keinen Haushalt

Demnach sollte bei Polstermöbeln auf die Art des Schaumstoffes geachtet werden. Polyurethan-haltige Überzüge sollten vermieden werden. Bei Neubauten sollten auf PU-Ortschäume entlang der Fenster und Türen verzichtet werden. Hier gibst es durchaus Alternativen, schließlich wurden auch Fenster und Türen eingesetzt bevor es Ortsschäume gab. Auch PU-Versiegelungen von Holzböden sollten vermieden werden.

Fernsehgeräte, Stereoanlagen oder Kunststoff-haltige PC-Gehäuse sollten aus den Schlafzimmern verbannt werden. Bei PC-Gehäusen kann man auch auf Metallgehäuse ausweichen. Auch sollten diese Kunststoff-Gehäuse nicht der unmittelbaren Sonneneinstrahlung ausgesetzt werden, da die Ausgasungsrate mit erhöhten Temperaturen steigt.

 

Auch auf PU-Schaumstoff-haltige Matratzen oder Schaumstoff in Babykutschen sollte unbedingt verzichtet werden.

 

Ralph Baden

Diplombiologe, Baubiologe

 

 

 

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