Gesundheitsschäden durch Pestizide und Biozide (Text aus: Bulletin 1/2009 Akut)
Pestizide werden in der Landwirtschaft, in den Gärten, der Forstwirtschaft und in öffentlichen Anlagen eingesetzt zum Schutz von Pflanzen vor Insekten, Schimmel, Bakterien, „Unkräutern“ usw. , Biozide , die giftige Wirkstoffe enthalten, werden in Häusern oder Gebäuden eingesetzt als Holzschutzmittel, Schädlingsbekämpfungsmittel oder Konservierungsmittel. Beiden gemeinsam ist der schädigende oder zerstörende Effekt auf die zu bekämpfenden Schädlinge oder Mikroorganismen. Der Einsatz beider chemischen Wirkstoffgruppen hat sich seit den 50ger Jahren des vorigen Jahrhunderts weltweit und immer massenhafter ausgebreitet, sodass diese Giftstoffe in der Zwischenzeit nicht nur Luft, Böden, Gewässer, Flora und Fauna belasten, sondern seit rund 20 Jahren zunehmend auch die menschliche Nahrungskette, und dies nicht erst von Geburt an, sondern schon während der Schwangerschaft. Schon Embryonen und Föten machen heute leider Bekanntschaft mit unterschiedlichen Dosen solcher Giftstoffe!
Die Verharmlosungsstrategien der Chemiekonzerne
Pestizide und Biozide gehören seit Jahrzehnten schon zu den gewinnträchtigen Branchen der chemischen Industrie und der Agrokonzerne. Hohe Renditen und Profite bringen es mit sich, daß die produzierenden Firmen ständig neue chemische Formulierungen auf den Markt bringen, die immer weiter Umwelt und Natur belasten und zu einem zunehmendem Schwund der Biodiversität führen. Und seit 15 – 20 Jahren wird von Wissenschaftlern und Umweltmedizinern auch immer eindringlicher vor einer Reihe von Gesundheitsschäden und Krankheiten gewarnt, nicht alleine bei professionellen Anwendern (Bauern, Winzer … ), sondern zunehmend auch in der Bevölkerung allgemein und schon bei Kindern.
Die Pestizid- und Biozidhersteller allerdings betreiben eine massive und knallhart durchorganisierte Strategie der Verharmlosung der Belastungen und Gesundheitsrisiken:
1. Zum ersten durch alleinige Betrachtung der Wirkweise von Einzelstoffen, obschon viele Pestizid- oder Biozidprodukte oftmals mehrere schädliche Giftstoffe enthalten („Cocktails“)
2. Zum zweiten, indem die Behauptung aufrechterhalten wird, die in Studien gefundenen Pestizidwerte in Wasser, Obst, Gemüse und beim Menschen blieben unter „offiziell anerkannten“ Grenzwerten und seien von daher ungefährlich für Mensch und Umwelt
Zur Unterstützung dieser Thesen bezahlen die großen multinationalen Firmen zahlreiche privaten Wissenschaftler und Laboratorien.
Gesundheitliche Indizien, Zusammenhänge und Fakten
Nur einige Zahlen zur aktuellen Belastungssituation!
- Gewässerschutz in Frankreich:
laut offiziellen Messungen enthalten 90% der französischen Gewässer (Flüsse, Seen ..) Pestizide, 2/3 der unterirdischen Wasserreserven.
- Belastung von Lebensmitteln (Gemüse, Obst) :
Rund 40% der in der EU analysierten Proben enthalten Pestizidrückstände in mehr oder weniger bedeutenden Mengen, 5-6% sogar über den offiziellen Grenzwerten. Manche Obst- und Gemüseprodukte werden mehr als 20 Mal pro Saison mit verschiedenen Pestiziden behandelt, je nach Mahlzeit können wir also Rückstände von 20 verschiedenen Pestiziden mit aufnehmen, von anderen chemischen Belastungen dieser Lebensmittel nicht einmal zu reden. Neben all der übrigen chemischen Giften und Umweltbelastungen, die wir tagtäglich zusätzlich aufnehmen.
- Belastung von konventionellen behandelten Trauben:
die Analyse einer in einem französischem Supermarkt gekauften Traube ergab kürzlich 16 unterschiedliche Pestizide, von denen 9 nachweislich krebserregend sind.
- Biozide im Haus
die Analysen zahlreicher luxemburgischer Häuser ergaben in den vergangenen Jahren immer wieder vielfältige Biozidbelastungen in Hausstaub- und Materialanalysen (DDT, PCP, Lindan, Pyrethroide usw.)
Pestizide und Biozide sind heute leider überall, leider auch in Blut- oder Fettanalysen bei uns Menschen anzutreffen, z.B. auch im Nabelschnurblut oder in der Plazenta, sodass Embryo und Föten schon negativ belastet werden.
Viele der Pestizidwirkstoffe sind dabei nachweisbar zelltoxisch, mutagen, missbildungsfördernd, krebserregend oder neurotoxisch!
Erst seit 5-10 Jahren wird von immer mehr Wissenschaftlern weltweit vor ihren hormonell wirksamen Eigenschaften ("perturbateurs endocriniens") schon in absolut niedrigen Konzentrationen gewarnt, vor allem in den ersten 2-3 Monaten der Schwangerschaft, wo Embryonen und Föten extrem empfindlich auf solche negativen hormonellen Einflüsse reagieren: in dieser sehr frühen Entwicklungsphase werden in der Tat das Gehirn, die Geschlechtsorgane sowie die Funktionsfähigkeit des Immunsystems ausgebildet, sodass hormonelle Entwicklungsstörungen in dieser frühen Phase zu Schäden in der Kindheit oder zu Krankheiten im späteren Leben führen können.
Zusammenhänge zwischen Pestizidbelastungen und anderen hormonell wirksamen Chemikalien mit Gesundheitsschäden sehen Wissenschaftler z.B. im Zusammenhang mit verminderter Fruchtbarkeit, sinkenden Spermienzahlen, Fehlentwicklungen der Hoden, Auftreten von Funktionsstörungen der Eierstöcke sowie Zellwucherungen an Eierstöcken (Endometriose). Auch für Fehlsteuerungen von Schilddrüsenhormonen und die Zunahme von Brust- Prostata- und Hodenkrebs können solche hormonell wirksamen Pestizide und Biozide mitverantwortlich sein.
Rezente Studien
Eine rezente „Meta-Studie“, die 83 wissenschaftliche Studien zusammenfaßt, zeigt bei 75 dieser Studien einen Zusammenhang zwischen Pestizidbelastungen und Krebs, hauptsächlich Lymphome und Leukämie, aber auch Brustkrebs, Krebs der Bauchspeicheldrüse, des Hirns, der Prostata und der Niere, bei Kindern vor allem Leukämie, wenn Eltern im Haus oder im Garten Pestizide oder Biozide versprüht hatten.
Schlußfolgerungen
Es bleibt gerade auch heute absolut notwendig, vor den Risiken von Pestiziden und Bioziden in allen Anwendungsgebieten zu warnen und den Einsatz dieser Stoffe so schnell und so weitgehend zu reduzieren und weitgehend zu verbieten. AKUT wird zusammen mit anderen NGOs auch in den kommenden Monaten und Jahren vor diesen Giften warnen!
Jean Huss
Präsident von AKUT







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