Rauchmelder ab 2019 Pflicht in Luxemburg

Ab nächstem Jahr werden Rauchmelder in Wohngebäuden in Luxemburg obligatorisch; sicherlich eine gute Sache, die längst überfällig war. Konsequent ist in diesem Sinne auch die kostenlose Verteilung von Rauchmeldern sowie die breit angelegte Informationskampagne mit unter anderem ein Verteilen von entsprechenden Sensibilisierungsblättern in die Haushalte durch das Innenministerium im vergangenen Juni.

Die Zahlen hinter diese Aktion:

laut Innenministerium: jedes Jahr sterben 1-2 Personen durch Rauchvergiftungen bei Bränden in Wohnungen. So weit so gut.

Schade nur, dass die Idee nicht zu Ende gedacht wurde; jedes Jahr sterben genauso viele Menschen durch Kohlenmonoxidvergiftungen.

In den fünf Jahren zwischen 2011 und 2015 (rezentere Daten waren auf der Webseite sante.lu leider nicht verfügbar) verzeichnete das Todesregister des Gesundheitsministeriums 8 Todesfälle durch Rauch und Feuer gegenüber 13 tödlichen Kohlenmonoxidvergiftungen. Leider macht das Ministerium keinen oder zumindest keinen regelmäßigen Unterschied zwischen gewollten (Selbstmord, Mord) und ungewollten Todesfällen also vermeidbaren Unfällen, sowohl in Bezug auf Feuer als auch auf Kohlenmonoxid. Deshalb sei es erlaubt, über die Grenzen zu schauen und die Daten unserer Nachbarländer zu Rate zu ziehen. In Deutschland kam es von 2000 bis 2009 zu durchschnittlich 374 jährlichen Unfall-Todesfällen durch Kohlenmonoxidvergiftung. Die Dunkelziffer ist hoch, da eine CO-Intoxikation auf Grund ihrer unspezifischen Symptomatik oft nicht erkannt bzw. falsch diagnostiziert wird. In Belgien wurden im Jahre 2002 insgesamt 613 Kohlenmonoxidvergiftungsfälle gezählt (insgesamt 1302 Patienten, von denen 26 starben).

CO ist ein unsichtbares und geruchloses Gas, welches die Atemwege nicht reizt und so in der Regel unbemerkt bleibt.

Einige Beispiele gefällig?

In Januar 2017 starben 6 Jugendliche in einer Gartenlaube nahe Würzburg nachdem Kohlenmonoxid aus einem Benzin-betriebenen Stromgenerator ausgetreten war.

Unvergessen auch bei den älteren Tennisfans, der Tod des amerikanischen Tennisprofis Vitas Gerulaitis 1994 im Alter von 40 Jahren durch eine Kohlenmonoxydvergiftung, die durch eine defekte Klimaanlage verursacht wurde und den Spieler im Schlaf überraschte.

2014 starben zwei Männer in Küntzig (L), nachdem sie sich mit einem Camping-Kocher etwas zum Essen machen wollten.

2016 starb eine Frau an der deutschen Seite der Sauer infolge einer Kohlenmonoxidvergiftung durch eine defekte Heizung.

2018 wurden eine schwangere Frau sowie ein 12-jähriger Junge in Beles nach einer Kohlenmonoxidvergiftung durch eine defekte Heizung ins Krankenhaus eingeliefert.

Kohlenmonoxid – silent killer

Auf Englisch wird Kohlenmonoxid als „silent killer“ bezeichnet, weil das Gas geruchslos und geschmackslos ist. Zwischen den ersten Symptomen und dem Verlust des Bewusstseins liegt oft nur eine kurze Zeitspanne. Bei hohen Konzentrationen kann es bereits nach 2 bis 3 Atemzügen zu Bewusstlosigkeit und anschließendem Tod kommen.

Zu den Verursachern in Innenräumen zählen, Wasserpfeifen, defekte Heizungen, defekte Öfen, Gasthermen, Boiler, Benzinmotoren,  Holzkohlegrills, Heizstrahler, Kamine und Schornsteine die beispielsweise durch Vogelnester verstopft werden, sowie Lagerräume für Pellets bei Holzheizungen.

„Die einzige Möglichkeit, eine zu hohe Konzentration zu erkennen, ist die Installation eines CO-Melders“, werden die Luxemburger Rettungskräfte in einem Artikel von „L’essentiel“ vom 6. März 2018 zitiert.

Bereits 2016 zitierte das „Luxemburger Wort“ einen Feuerwehrkommandanten mit den Worten: „ Sinnvoll sind außerdem Kohlenmonoxid-Melder, die bei erhöhten Werten Alarm auslösen.“ Solche CO-Melder sind bereits für 10 bis 20 Euro erhältlich. Ein einziger Warnmelder, in der Nähe der Heizung aufgehängt, reicht für das ganze Haus – und kann im Notfall Leben retten.“

Demnach gehört zum Rauchmelder auch ein Kohlenmonoxidwarngerät dazu, sollte dem Prinzip des Vorsorgeprinzips in aller Konsequenz Rechnung getragen werden. Schade, dass im Juni verpasst wurde, parallel zu Rauchmeldern auch CO-Melder in Luxemburg einzuführen. Aber man kann ja noch immer nachbessern.

Ralph Baden
September 2018