Mikroplastik – Gefahr für Mensch und Umwelt

RB – Mikroplastik sind im Prinzip mikroskopisch kleine Kunststoffteile, die verschiedenen Produkten beigefügt werden, um bestimmte Eigenschaften des Produktes zu gewährleisten. Vor allem in Kosmetikprodukten, in Seifen und Duschgels, Babywindeln oder in Zahnpasten kommen solche „microbeads“ immer häufiger zum Einsatz.

Die zugesetzten Kunststoffe dienen zur mechanischen Reinigung (Peelingeffekt durch die mikroskopisch kleinen Kügelchen) oder werden als Bindemittel oder Füllstoff eingesetzt.

Gefahr für Umwelt und Fauna

Im Abwasser gelangen die Mikroplastikpartikel durch die Kläranlagen ungefiltert und ungebremst in die Flüsse und letztendlich in die Meere und tragen so zu der Verschmutzung der Ozeane bei. Die Kunststoffpartikel werden nur sehr langsam in der Natur abgebaut (oftmals erst nach mehr als hundert Jahren), die werden demnach als persistent bezeichnet und reichern sich in der Umwelt an.

Fische fressen die Mikroplastikpartikel, da sie sie mit Zooplankton verwechseln und reichern die Kunststoffe im Körper an; so zeigten Forscher einer schwedischen Universität, dass Flussbarsche aufgrund der Aufnahme von Kunststoffpartikeln ihr Verhalten änderten und feindliche Raubfische nicht mehr wahrnahmen. Bei Muscheln wurde eine entzündungsfördernde Wirkung vom Mikroplastikpartikeln festgestellt.

Auch Insektenlarven, andere Fische, Frösche, Meeresschildkröten, Vögel und sogar Meeressäuger verwechseln die Kunststoffpartikel mit Nahrung (im Mittelmeer kommt mittlerweile auf zwei Zooplantontiere bereits ein Mikroplastikteil).

Gefahr für den Menschen

Für den Menschen werden die mikroskopisch kleinen Partikel problematisch, da sie sich in der Nahrungskette anreichern und so über die Fische oder Muscheln auf dem Speiseteller landen.

So wiesen Studien nach, dass 73% der Fische im Nordwestatlantik mit Kunststoff belastet waren (2015), bei japanischen Sardellen waren es 80% (2016). Sardellen landen nicht nur direkt auf dem Speiseplan des Menschen (Anchovis) sondern sie werden auch zu Fischmehl verarbeitet und so an Schweine oder an Lachse in Lachsfarmen verfüttert.

Vermeidung

Zahlreiche Organisationen haben in jüngster Vergangenheit auf die Problematik aufmerksam gemacht und rufen zu einer Vermeidung der Verwendung von Mikroplastik auf, dies umso mehr es zahlreiche natürliche und abbaubare Alternativen zu diesen Kunststoffteilchen gibt.

Kanada hat „microbeads“ mittlerweile als toxische Substanz eingestuft und verboten (2018), England, Schottland und Wales haben 2018 die Produktion und den Verkauf untersagt, Frankreich hat ab 2018 den Import von Mikroplastik-haltigen Kosmetikartikeln verboten. Andere Länder werden in absehbarer Zeit folgen (Italien 2020, Nordirland Oktober 2018, Schweden 2019, …)

Verschiedene unten angeführte Organisationen haben Listen mit Mikroplastik-haltigen Produkten erstellt, die dem Verbraucher helfen sollen, belastete Produkte zu vermeiden, so zum Beispiel Greenpeace oder der deutsche Bund:

https://www.bund.net/meere/mikroplastik/

https://www.greenpeace.org/austria/Global/austria/dokumente/ratgeber/Konsum_Mikroplastik_Ratgeber_Juli2014_Auflage2.pdf

https://www.bund.net/fileadmin/user_upload_bund/publikationen/meere/meere_mikroplastik_einkaufsfuehrer.pdf

Ralph Baden
September 2018